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Ingenieursgeist triff Prothese

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steptics – ein junges Unternehmen aus München entwickelt Prothesenfüße mit dem Anspruch, hochwertige Technik zugänglicher zu machen.

Als die peruanische Para-Leichtathletin Maria Fernanda Medina Torres Ende letzten Jahres ihre neue Sportprothese ausprobierte, war das für sie mehr als nur ein sportlicher Moment. Die peruanische Athletin, die 2022 in Folge eines zunächst falsch behandelten Fahrradunfalls ihr Bein verlor, sieht ihre Amputation heute als Wendepunkt in ihrem Leben. Ihr katholischer Glaube verlieh ihr Halt und gab ihr die Kraft, den Beinverlust aus einer anderen Perspektive zu betrachten: „Durch meine Amputation habe ich die Möglichkeit bekommen, ein besserer Mensch zu werden, und mit meinen sportlichen Erfolgen habe ich jetzt die Chance, anderen amputierten Menschen in Peru Mut zu machen.“ Unterstützung erhält sie dabei unter anderem von einem jungen deutschen Unternehmen: steptics.

Innovation aus Süddeutschland
Die 2023 gegründete GmbH zählt derzeit sechs Mitarbeiter und gehört zu einer neuen Generation kleiner, hochspezialisierter Entwickler in der Orthopädietechnik. Statt großer Konzernstrukturen prägen kurze Entscheidungswege, direkte Kommunikation und eine stark ingenieurgetriebene Arbeitsweise die Entwicklung. „Wir wollen mit modernen Entwicklungs- und Produktionsmethoden in Deutschland hochwertige Prothesenpassteile entwickeln, die auch für den Selbstzahler erschwinglich sind. Dabei wollten wir von Anfang an ein Unternehmen aufbauen, das sehr nah an den Anwendern und Anwenderinnen arbeitet“, erklärt Geschäftsführer Daniel Kun. „Die besten Ideen entstehen nicht im Besprechungsraum, sondern im direkten Austausch mit den Menschen, die unsere Produkte jeden Tag nutzen.“

Wie ernst dieser Ansatz genommen wird, konnte ich selbst bei einem Besuch von steptics in Berlin erleben. Dort konnte ich einen frühen Prototyp des Prothesenfußes „Vision LP“ selbst testen. Meine Rückmeldungen zu bestimmten Laufeigenschaften waren mit konkreten Empfehlungen für Anpassungen versehen – umso überraschender war für mich die Reaktion des Entwicklungsteams: Bereits eine Woche später lagen neue Prototypen vor, in denen genau diese Änderungsvorschläge umgesetzt waren. „Unsere Entwicklungszyklen sind bewusst kurz“, sagt Kun. „Wenn ein Anwender eine präzise Rückmeldung gibt, versuchen wir möglichst schnell zu verstehen, was technisch dahintersteckt – und wie wir das verbessern können.“

Der „Vision LP“ ist ein niedrig bauender Alltagsfuß, der besonders gut dort eingesetzt werden kann, wo aufgrund kurzer Stumpflängen oder anderer Gegebenheiten nur wenig Bauhöhe zur Verfügung steht. Ziel ist eine alltagstaugliche, robuste und gleichzeitig dynamische Versorgung – zu bezahlbaren Preisen. Darüber werde ich separat berichten. „Viele Anwender und Anwenderinnen brauchen vor allem zuverlässige Technik für ihren Alltag“, sagt Kun. „Unser Anspruch ist es, Produkte zu entwickeln, die funktional überzeugen und gleichzeitig für möglichst viele Menschen erreichbar bleiben.“

Entwicklungsplattform Leistungssport
Als Nachweis für die hohe Qualität der selbst entwickelten Produkte arbeitet steptics auch an Komponenten für den Leistungssport, etwa an Lauffedern aus Carbon oder Kompositmaterialien. „Leistungssport ist für uns eine Art Entwicklungsplattform“, erklärt Kun. „Ähnlich wie im Motorsport der Automobilindustrie entstehen dort viele Ideen, die später auch in alltägliche Produkte einfließen können.“
Die Zusammenarbeit mit der Para-Leichtathletin Fernanda Torres steht für genau diesen Erfahrungsaustausch. Für die Sportlerin aus Peru waren leistungsfähige Sportprothesen lange Zeit schwer zugänglich. Erst durch gezielte Unterstützung konnte sie moderne Carbon-Sprintfedern einsetzen, die ihr Training und ihre Wettkämpfe deutlich verbessern. Ich durfte Fernanda in Peru persönlich kennenlernen (s. Rehatreff Ausgabe 1/26). Im Interview beschrieb sie die Unterstützung durch steptics nicht nur als technische Hilfe, sondern auch als persönliche Motivation: „Wenn jemand an dich glaubt, gehst du einen Schritt weiter!“
Noch ist steptics ein vergleichsweise junger Akteur in einem etablierten Markt. Doch die Kombination aus technischer Entwicklungsdynamik, enger Zusammenarbeit mit Anwendern und dem Blick auf das internationale Engagement zeigt, welches Potenzial in solchen neuen Strukturen steckt. Wir Anwender dürfen gespannt bleiben!

Vielen Dank an das RehaCare-Team, dass ihr uns in eurem Magazin vorgestellt habt! Wir freuen uns sehr über die Gelegenheit, unsere Geschichte und Mission teilen zu dürfen.

Link zum Artikel: Ingenieursgeist trifft Prothese

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